Körperhaltung für mehr Lebensqualität

Die perfekte Körperhaltung – gibt es das überhaupt? Wenn Sie im Büro arbeiten und den überwiegenden Teil Ihres Tages sitzen, wissen Sie, dass die Position auf Ihrem Stuhl nicht die perfekte Haltung ist.

Ihr Körper lässt Sie das spüren: Sie haben Nackenschmerzen. Ihr Schulterbereich ist verspannt. Eventuell haben Sie gehäuft Kopfschmerzen. Und immer wieder verspüren Sie ein Ziehen im unteren Rücken. Unter Umständen hatten Sie sogar schon Blockaden bzw. einen Hexenschuss und Ihr Arzt spritzte Ihnen daraufhin ein Schmerzmittel.

So fühlen Sie sich nicht wohl. Sie wollen etwas dagegen tun. Sie machen daher ein- bis zweimal die Woche Sport. Das tut Ihnen gut, aber Sie haben trotzdem das Gefühl, dass Ihre Körperhaltung nicht viel besser geworden ist.

Wie sieht denn nun die perfekte Körperhaltung aus? Und vor allem, wie erreichen Sie diese?

 

Wie entsteht ein schlechte Körperhaltung

Als junger Mensch hatten Sie nie irgendwelche körperlichen Probleme. Rückenschmerz war Ihnen ein Fremdwort. Sie fühlten sich unverletzbar und eventuell haben Sie sich über die anderen belustigt, die immer über irgendwelche Wehwehchen gejammert haben. Nun jammern Sie aber selbst. Wie kommt es auf einmal dazu?

Nun, unser Körper ist aus biologischer Sicht für Bewegung gemacht. Sie haben sich in jungen Jahren sicherlich deutlich mehr bewegt als jetzt. Sie sind mit dem Fahrrad zur Schule und zu Freunden gefahren. Sie haben Vereinssport betrieben. Dazu kam der Schulsport und Sie waren mit Freunden viel draußen unterwegs.

Ab der Ausbildung und spätestens ab dem ersten Job ändert sich das. Sie kleben plötzlich am Stuhl fest. Das ist die Position, in der Sie nun die meiste Zeit verbringen: sitzend.

Aber liegt es denn nur am Sitzen? Nein! Aber es liegt daran, dass Sie überwiegend sitzen. Wenn Sie den ganzen Tag nur stehen würden, wäre das auch nicht gut für Sie.

Ihr Körper braucht Abwechslung in der Belastung und Bewegung. Er ist nicht dafür gemacht, in Positionen stundenlang zu verharren.

 

Die Abwechslung macht es

Ihr Körper hat über 300 gelenkige Strukturen. Wenn Sie sich nun vorstellen, dass jede dieser Strukturen mindestens zwei Positionen einnehmen kann, können Sie sich ausrechnen, zu wie vielen unterschiedlichen Bewegungen Ihr Körper in der Lage ist.

Aber wie viele verschiedene Gelenkstellungen durchläuft Ihr Körper in Ihrem Alltag? Nur einen Bruchteil der Möglichkeiten. Und genau das ist das Problem.

Ihr Körper ist effizient und sehr wirtschaftlich. Das bedeutet, er baut alles ab was er nicht benötigt  bzw. nicht genutzt wird. Wenn sie Ihren Körper nur noch einseitig belasten, kommt es zu Einschränkungen. Alles was nicht belastet wird, baut Ihr Körper ab. So spart er Energie.

Selbst eine Trainingsstunde kann hier nur eine Ergänzung darstellen. Zählen Sie doch mal wie viele verschiedene PositionenÜbungen Körperhaltung Sie im Training – egal ob Yoga, Krafttraining, etc. – Sie einnehmen. Ich tippe mal Sie kommen nicht mal auf 100. Und das dann vielleicht zweimal pro Woche. Sie sehen schon, das kann nicht ausreichend sein.

Das bedeutet jetzt natürlich nicht, dass Training keinen Sinn macht – im Gegenteil. Aber Sie dürfen es nicht dabei belassen. Der größte Fehler wäre, sich danach mit der Begründung, dass Sie vom Training erschöpft sind und sich ausruhen müssen, noch mehr zu schonen.

Das Training ermöglicht Ihnen, wieder in die richtige Bewegung zu kommen.  Wenn Sie den ganzen Tag sitzen, müssen Sie manche Bewegungen zunächst wieder erlernen. Bewegungstraining schafft Ihnen einen Ausgleich. Es sollte ein Zusatz zur Alltagsbewegung sein, aber diese nicht ersetzen.

 

 

Warum ist die Körperhaltung überhaupt wichtig

Hierfür gibt es viele Gründe.

Zum Einen können Sie über Ihre Körperhaltung Ihr Stresslevel beeinflussen. Ja, das ist wirklich so und durch Studien belegt. Wenn Sie eine aufrechte Haltung einnehmen, sinkt Ihr Level an Stresshormonen, und es ist deutlich niedriger, als bei einer gekrümmten, eingefallenen Körperhaltung. Sie können über Ihre Körperhaltung Ihre Stimmungslage beeinflussen.

Sie drücken über Ihre Körperhaltung Ihre Stimmung nach Außen sichtbar aus. Es hat doch eine ganz andere Wirkung, ob Sie aufrecht durch das Leben gehen oder sich mit einer nach vorne übergebeugten Haltung bewegen.

Sie wirken bei einer aufrechten Körperhaltung selbstbewusster. Wir wissen inzwischen auch aus Studien, dass die Körpersprache und damit die Haltung in der Kommunikation wichtiger als die Stimme oder der Inhalt des Gesprochenen sind.

Eine gute bzw. natürliche Körperhaltung wirkt zudem Verspannungen entgegen. Genau so wie Sie Ihre Stimmung beeinflussen können, können Sie auch Bewegungseinschränkungen und Verspannungen entgegenwirken.

Es gibt also viele gute Gründe, Ihre Körperhaltung zu verbessern.

 

Wie sieht denn nun die perfekte Körperhaltung aus

Sie haben bestimmt schon verschiedene Artikel zur Körperhaltung gelesen. Bestimmt fanden Sie dort Aussagen wie, die Schultern sollten nach hinten und unten gezogen werden, der Brustkorb aufgerichtet, etc. Ist das richtig?

Jein. Ich weiß, das wollen Sie nicht lesen, aber wie so oft im Leben ist es nicht einfach nur Schwarz oder Weiß.

Die oben genannten Ratschläge sind richtig, da sie Ihrer Sitzhaltung entgegenwirken. Somit ist es also schon mal ein guter Ansatz. Aber eine gute Körperhaltung ist mehr. Die Dauer ist der entscheidende Faktor. Oder anders ausgedrück: “Die Dosis macht das Gift”.

Sie sollten in der Tat darauf achten, dass Sie nicht mit vorgestrecktem Hals und Rundrücken vor Ihrem Computerbildschirm Rundrückenverharren. Das ist Gift für Ihren Körper.

Erinnern Sie sich immer wieder daran, eine aufrechte Position einzunehmen und den Kopf in eine neutrale, d.h. auf der Wirbelsäule ruhende Position, zurückzuziehen.

Wenn Sie die Möglichkeit haben, sollten Sie zudem auch mal zwischen einer stehenden und einer sitzenden Positionen wechseln.

In immer mehr fortschrittlich denkenden Unternehmen werden Meetings im Stehen durchgeführt. Das schafft Ausgleich und gleichzeitig werden die Meetings effizienter, da ja niemand ewig stehen möchte. Man schlägt also mehrere Fliegen mit einer Klappe.

Je mehr Sie also zwischen verschiedenen Position  wechseln, desto besser.

Eine gute Körperhaltung ist nicht statisch, sondern dynamisch sich ändernd.

 

5 Tipps für eine bessere Körperhaltung in Ihrem Alltag

 

#1 Das Sitzen unterbrechen

Unterbrechen Sie Ihren sitzenden Alltag mindestens stündlich, besser  noch alle 30 Minuten durch kurze Bewegung von ca. 3 Minuten. Egal was Sie machen, machen Sie es.

Wenn Sie in einem Einzelbüro sind, laufen Sie doch einfach auf der Stelle. Ihr Puls sollte über 100 Schläge pro Minute kommen.

Oder gehen Sie kurz in das Treppenhaus und gehen Sie zügig 3 Stockwerke auf und ab. Es gibt viele Möglichkeiten. Seien Sie kreativ.

Stellen Sie sich dafür eine Erinnerung in Ihrem Smartphone oder Kalender ein. Sie werden sich danach frischer und aufnahmefähiger fühlen.

 

 

#2 Die stolze Körperhaltung

Erinnern Sie sich daran ein “stolze” Körperhaltung einzunehmen. Denken Sie daran, wie Sie auf diese Weise Ihre Emotionen und Ihre Außenwirkung verändern. Stellen Sie sich dafür einfach vor, an Ihrem Kopf wäre ein Seil, das Sie in die Länge zieht.

Ihren Kollegen und Mitarbeitern wird das auffallen (nicht das Seil, sondern Ihre gute Körperhaltung). Wundern Sie sich nicht, wenn Sie angesprochen werden und angemerkt wird, dass Sie vitaler und energetischer wirken.

 

 

#3 Mehr Bewegung im Alltag

Bringen Sie mehr Bewegung in Ihren Alltag. Steigen Sie doch mal eine U-Bahnstation früher aus und gehen den Rest der Strecke zu Fuß. Beenden Sie die Mittagspause nicht in der Cafeteria, sondern bei einem kurzen Spaziergang an der frischen Luft. Und natürlich sollten Sie die Treppen statt den Aufzug benutzen. Es sind die vielen Kleinigkeiten, die am Schluss eine große Wirkung haben.

 

 

#4 Benutze Sie Ihre Gelenke

Trainieren Sie regelmäßig Ihre Gelenke. Der Bewegungsumfang Ihrer Gelenke ist die Basis für einen gesunden Körper. Sie sollten daher regelmäßig daran arbeiten, diesen Bewegungsumfang zu erhalten bzw. wiederherzustellen.

Leider sehe ich sehr oft Menschen, die guten Willens trainieren und diesen Punkt nicht berücksichtigen. Die Folge sind dann Verletzungen, Überlastungen und Frustration.

Eine Möglichkeit Ihre Gelenke wieder vermehrt zu nutzen sind Mobilisierungsübungen. Ich mache jeden morgen ca. 5 Minuten ein paar Übungen (ein Beispiel ist in dem Video gezeigt). Diese stellen einen guten Start in den Tag dar und lassen sich überall durchführen. Die Wirkung ist noch besser, als einen Kaffee zu trinken (auf den ich aber auch nicht verzichten möchte).

Der nächste Schritte wäre, nicht nur zu mobilisieren, sondern den Bewegungsumfang zu verbessern. Dazu in einem späteren Artikel mehr.

#5 Trainieren Sie Ihre Muskeln

Der nächste Schritt nach der Verbesserung des Bewegungsumfangs ist ein regelmäßiges Krafttraining (und nicht umgekehrt in der Reihenfolge). So gleichen Sie muskuläre Dysbalancen aus, wirken dem durch zunehmendes Alter bedingten Muskelabbau entgegen und geben dem Körper die Fähigkeit, eine gute Körperhaltung überhaupt erst einzunehmen.

Erst mit einem trainierten Gesäßmuskel haben Sie z.B. die Fähigkeit, einen korrekten aufrechten Gang durchzuführen. Indem Sie aber den ganzen Tag darauf sitzen, trainieren Sie diesen nicht, sondern versetzen ihn in einen Dornröschenschlaf.

Ihre Muskulatur bildet das Korsett, das Ihren Körper schützt bzw. unterstützt. Sie formt Ihren Körper. Frauen haben leider oft Angst, zu muskulös zu werden. Das ist aber aufgrund des niedrigen Testosteronspiegels des weiblichen Geschlechts nicht möglich und erst recht nicht, wenn man zwei- bis dreimal die Woche trainiert.

 

Fazit:

Eine gute Körperhaltung spielt nicht nur für Ihre Gesundheit, sondern auch im Job und in der Kommunikation mit Ihren Mitmenschen eine wesentliche Rolle.

Die perfekte Körperhaltung erlangen Sie durch möglichst viel Abwechslung im Alltag. Ihr Körper ist für Bewegung gemacht und funktioniert nach dem “use it or loose it”-Prinzip.

Um Ihre Körperhaltung zu verbessern, sollten Sie regelmäßig den Bewegungsumfang Ihrer Gelenke trainieren und darauf aufbauend ein Krafttraining durchführen.

Gleichzeitig gilt es, Gewohnheiten zu verändern. Verlassen Sie Ihre Komfortzone.

Als Belohnung werden Sie deutlich mehr Lebensqualität haben und selbstbewusster durch das Leben gehen.

 

Was möchten Sie ab heute tun, um Ihre Körperhaltung und damit Ihre Lebensqualität zu verbessern? Lassen Sie es mich in einem Kommentar wissen.

 

Ihr  Dr. Dirk Hardt

Autor: Dr. Dirk Hardt


Impulsvortrag

 “Die Top 5 Erfolgsschlüssel zum Wohlfühlgewicht”

 

Neue Wege gehen für eine gesunde und entspannte Ernährungsweise. Ein etwas anderer Vortrag zum Thema Ernährung.

 

Der Vortrag findet im Rahmen der Vortragsreihe “Info-Point Gesundheit Ernährung” statt.

 

Wann und Wo:

30.03.2019 von 14:00 Uhr bis 17:00 Uhr in Oberursel.

Mehr Informationen hier.